Wir hätten da einen netten Plot für den nächsten AVENGERS Film:

Seit Jahren regiert Bösewicht Tesla die elektrische Welt. Er und seine Kumpane S, X und 3 haben den E-Markt aufgemischt – quasi ohne nennenswerte Gegenwehr. Nur langsam regt sich Widerstand. Der britische E-Superheld i-Pace machte 2018 den Anfang, war aber bislang kaum sichtbar auf den Straßen – in seinem Kampf gegen Tesla quasi allein auf weiter Flur. Doch jetzt bekommt er langsam Unterstützung: Es beginnt „The age of e-Tron“. Und in Kürze folgt „EQC der Dritte aus der Sternenmitte“ …

Genug geschwafelt. Wir hatten jetzt die Gelegenheit,den Audi e-Tron quattro näher kennen zu lernen.

Auf den ersten Blick passt sich der e-Tron nahtlos in die Audi-Modellfamilie ein und verzichtet auf eine eigenständige Formensprache. Audi vermeidet hier Gott sei Dank aufsetzte Design-Spielchen, um den Elektroantrieb optisch in den Vordergrund zu bringen. Lediglich der Singleframe-Grill ist verschlossen – wenngleich das auf den ersten Blick gar nicht auffällt.

Blickt man ins Datenblatt fällt einem gleich einmal das Gewicht des e-Tron ins Auge: 2.490 Kilogramm Leergewicht steht da geschrieben – 700 Kilo davon wiegen alleine die 95-KW-Akkus im Wagenboden. Optisch sieht man dem Audi diesen Wert nicht an. Gerade im Vergleich mit dem adipösen Tesla Model X wirkt der Audi direkt zierlich, obwohl er mit 4,9 Metern Länge wahrlich kein kleines Auto ist.

Ist das Außendesign schon typisch Audi, so setzt sich dieser Eindruck im Innenraum nahtlos fort. Ob Elektromotor oder Verbrenner, Audi bleibt Audi, und das ist auch gut so.

Die Instrumentierung ist übersichtlich – drei große LCD Bildschirme dominieren die Armaturenlandschaft, die Verarbeitung der edlen Materialien markentypisch perfekt  und somit Maßstab in der Premiumklasse. Die feinen Ledersitze bieten guten Seitenhalt und auch die Passagiere im Fond profitieren von den großzügigen Abmessungen des e-Tron Innenraums. Im Heck gibt´s zudem ausreichend Raum für das Urlaubsgepäck einer Familie, während unter der Fronthaube nur Platz für die notwendigen Ladekabel ist.

Unter dem Passagierabteil befindet sich das Batteriepaket, das fast den gesamten Unterboden einnimmt. Die Energiespeicher erreichen eine Kapazität von üppigen 95 Kilowattstunden, was nach WLTP eine Reichweite von rund 400 Kilometern bringen soll. Die reale Reichweite liegt dann freilich doch eher bei rund 300 Kilometern, und das klarerweise auch nur dann, wenn die volle Leistung von 408 PS (300 kW) nicht dauernd abgerufen wird.

Dank des tiefen Schwerpunkts zeigt der Audi e-Tron ein gutmütiges Fahrverhalten. Er verführt trotz massiger 664 Newtonmeter nicht zwangsläufig zu sinnlosen Beschleunigungsorgien.  Das ist allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass sich die Elektromobilität allein schon wegen der Reichweite in einer eher zurückhaltenden Fahrweise widerspiegelt.

Dank aufwändiger Isolierverglasung bleibt man von akustischen Belästigungen weitgehend verschont. Der Audi e-Tron fährt sich wie ein klassischer Audi, nur dass eben an der Vorder- und Hinterachse zwei Elektromotoren für den Vortrieb sorgen und den e-Tron bei Bedarf zu einem Quattro machen.

Die Reichweite lässt sich durch ein intelligentes Rekuperationssystem optimieren.

Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern, arbeitet die Technik angenehm zurückhaltend und ohne hektische Verzögerungen. Die Stärke der Rekuperation lässt sich dabei über zwei Paddel am Lenkrad nach Wunsch definieren. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel die bei einer Bergauffahrt verbrauchte Energie auf dem Rückweg zum Teil zurückgewinnen.

Ebenso wichtig wie eine ordentliche Reichweite ist das schnelle Laden der Akkus.

Der Audi e-Tron kann mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW „getankt“ werden, so dass die Fahrt nach 20 bis 30 Minuten weitergehen kann. Zumindest theoretisch. Derzeit sieht es nämlich mit der Lade-Infrastruktur – zumindest rund um Linz – noch relativ schlapp aus. Es gibt zwar Schnellladestationen mit bis zu 50 kW Leistung – nur leider waren die während unseres Testzeitraums meistens entweder besetzt oder schlicht und ergreifend „out of order“. Da hat Tesla mit seinem Super-Charger Netz noch die Nase vorn.

Eines muss einem klar sein, ohne leistungsstarker E-Wallbox zuhause wird der Audi e-Tron wohl eher wenig Spaß machen.  Aber wer sich ein fast 100.000 Euro teures Elektroauto leisten kann, wird auch die paar Tausender für die leistungsstarke Ladestation zuhause übrig haben. An der normalen Haushaltssteckdose benötigt die Vollladung jedenfalls atemberaubende 48 Stunden. Was nicht lustig ist.

Shooting Location: PlusCity Pasching