Walter Röhrls Sinnspruch ist legendär: „Wenn die Freudentränen beim Beschleunigen waagrecht nach hinten abfließen, ist das Auto wirklich schnell.“ Seit unserer Testfahrt mit dem C-Evolution E-Scooter von BMW wissen wir, dass dieser Spruch nicht nur auf Autos zutrifft.

Beim BMW C-Evolution verhält es sich nämlich ähnlich, wie bei den ersten Erfahrungen mit dem Tesla Model S. Er beschleunigt, bis die Halswirbel krachen. Im Falle des BMW C-Evolution verstärkt sich freilich der Brachialeindruck noch durch die fehlende Rückenlehne – hier heißt es Gewicht nach vorne und gut am Lenker festhalten. Am Ärgsten trifft es den ahnungslosen Kollegen am Soziussitz – der kann ganz schnell abhanden kommen.

Grundsätzlich ist der BMW C-Evolution Long Range ein ganz normaler Bigsize-Scooter – zumindest optisch. Sein Design ist modern – eben typisch BMW – beim zweiten mal Hinsehen, entlarvt nur der fehlende Auspuff den Elektroantrieb. Gestartet wird ganz altmodisch per Schlüsseldreh, das kleine LCD-Display leuchtet in strahlenden Farben und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung perfekt ablesbar.  Es zeigt neben der Geschwindigkeit unter anderem auch die Reichweite (durchaus realistische 150 Kilometer – wenn man sich zumindest ein wenig im Griff hat) und den Ladezustand des Akkus an.

Bewusstseinserweiterndes Anströmen ist angesagt.

Kenner switchen spätestens jetzt in den lustigen DYNAMIC-Modus. Soll heißen volle 48 PS Leistung. Es gäbe auch andere Modi, die sind aber leider allesamt deutlich langweiliger und somit für unsere doch sehr kurze Testphase eher uninteressant. DYNAMIC heißt übersetzt ansatzloses Lossprinten aus dem Stand (0-100 km/h in 6.8 Sekunden) – oder fast noch lustiger ebenso ansatzloses Durchziehen ab 80 auf der Autobahn in den Begrenzer bei 129. Den braucht´s sonst ginge das Ding auch noch 150 km/h oder mehr.

Die einzige Schwäche, die man hinnehmen muss, ist das hohe Gewicht des C-Evolution. Satte 275 Kilo wiegt der Roller – im Innenstadtgewurl hat man da mit einer schnöden Vespa sicher die besseren Karten beim Vorschlängeln. Dafür freut man sich wiederum über den fein dosierbaren serienmäßigen Retourgang beim Rückwärtseinparken.

Wer jetzt noch die 16.875 Euro für den BMW C-Evolution Roller in der starken Long Range Version hinblättern kann, nennt wohl eines der lustigsten derzeit erhältlichen E-Fortbewegungsmittel sein Eigen – oder er kauft sich drei neue 300er Vespa Roller um die Kohle – aber die kann man eh nicht auf einmal fahren.