Bereits über zehn Jahre ist es nun her, dass Kia den Soul als das erste Elektroauto der Marke vorgestellt hat. Zunächst war er noch hauptsächlich konventionell mit einem Verbrenner motorisiert, die elektrische Variante war nur ein Beiwagerl, wenngleich von Anfang an kein untalentiertes. Heuer startete die dritte Generation des Kia Soul, und diesmal gibt es sie konsequenterweise ausschließlich Batterie-betrieben.

Gleich zwei Versionen bietet Kia an, eine eher für den urbanen Verkehr mit einer Reichweite von 276 Kilometer und einer Leistung von 100 kW (136 PS). Wir hatten jetzt das zweite Modell mit dem noch leistungsfähigeren Akku im Testfuhrpark. Laut Hersteller reicht´s für komfortable 452 Kilometer und auch die Leistung kann sich mit 150 kW (204 PS) sehen lassen.

Der neue Kia e-Soul ist ein wenig gewachsen, wirkt jetzt deutlich seriöser wie sein eher witzig gestylter Vorgänger. Vor allem die streng blickenden LED-Schlitze vorne lassen den Neuen modern und stylisch aussehen. Unser Testwagen war zweifärbig lackiert – weißer Body und rotes Dach stehen dem Kia ausgezeichnet. Auffällig sind auch die eigens für den Stromer designten Alufelgen.

Auf allen Plätzen herrscht tolles Raumangebot.
Der variable Kofferraum verkraftet wenigsten 315 Liter, die solide Bodenplatte, unter der das Ladekabel verstaut ist, kann in zwei unterschiedlichen Ebenen eingelegt werden, das Umklappen der Rückbanklehnen steigert das Ladevolumen auf bis zu 1.339 Liter.

Innen gibts fast schon luxuriöses Ambiente – unser Platin-Testwagen glänzte mit feinen beheiz- und belüftbaren Ledersitzen und auch sonst absoluter Vollausstattung. Zwei große Bildschirme – einer hinterm Lenkrad mit den notwendigen Fahrdaten und ein TFT-Touchscreen auf der Mittelkonsole. Auf diesem lassen sich jede Menge interessante Widgets fast nach Belieben hin und herschieben – Tablet-Addicts haben da die Nase vorn.

Ansonsten darf man im Kia e-Soul auch noch ein paar haptische Tasten drücken.
Die Klimaautomatik zum Beispiel oder die tolle Wärmepumpenheizung, die uns an den ersten herbstlich-kühlen Tagen des Jahres super-schnell aufwärmte. Wer es noch wärmer mag, beheizt sämtliche Sitze und auch das Lenkrad.

Aber auch wenn das Interieur noch so toll ist – der Blick fällt als erstes immer auf die Reichweitenanzeige.
Dort steht groß und deutlich 414 Kilometer geschrieben. Die Kollegen vom Autohaus Eder in Pasching bei Linz haben den Kia e-Soul nicht nur ordentlich geputzt sondern auch randvoll geladen. Vielen Dank! So eine Zahl am Display beruhigt ungemein und lässt auch die vergangenen Zeiten vergessen, in denen wir in diversen E-Mobilen mit jedem gefahrenen Kilometer mitgezittert haben.

Legen wir also los. Gestartet wird wie üblich auf Knopfdruck – dann den runden Wahlknopf auf der Mittelkonsole auf D.
Der Kia e-Soul beschleunigt geschmeidig hoch – komplett lautlos ist er dabei nicht – darf er auch laut EU-Verordnung nicht mehr sein – er gibt ein dezentes aber gut hörbares Säuseln von sich. Man merkt ihm gleich auch die Power an, in 7,9 Sekunden könnte er bei Bedarf auf Hundert sprinten, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 167 km/h begrenzt. Weder die Beschleunigung noch die Höchstgeschwindigkeit spielen allerdings eine übergeordnete Rolle – der Kia e-Soul hat nämlich einen angenehm entschleunigten Charakter – dies schont die Nerven und auch die Batteriekapazität.

Um unsere Zurückhaltung zu unterstützen, bietet der elektrische Kia verschiedene Fahrmodi an.
Da gäbe es auch die Einstellung „Sport“ für maximale Fahrdynamik, doch irgendwie bleibt`s nur beim kurzen Ausprobieren – dieses hektische Reißen an der Vorderachse passt nicht so wirklich zum gemütlichen Wesen des Kia e-Soul. Es empfehlen sich die Modi „Comfort“ oder besser noch „Eco“.  Dabei reduziert der e-Soul nicht nur die Empfindlichkeit des Fahrpedals sondern auch die Energieaufnahme von Klimaanlage, Sitzheizung und anderen Verbrauchern an Bord. Wir sind dann im „Eco“-Modus geblieben – dass die Höchstgeschwindigkeit da nur mehr 130 beträgt, hat uns nicht gestört.

„Eco plus“ ist dann etwas für die letzten Meter zur Steckdose.
Ist der immerhin 64 kWh fassende Akku dann leer, dauert es am haushaltsüblichen Anschuss mit bis zu 31 Stunden eine kleine Ewigkeit, bis er wieder aufgeladen ist. Mit einer Wallbox mit 4,5 kW Leistung sinkt die Dauer auf 15 Stunden. An kräftigen Schnellladestationen mit 100 kW verringert sich die Standzeit dafür auf respektable 54 Minuten. Über die Lebenserwartung der Akkus muss sich der e-Soul-Fahrer übrigens keine Sorgen machen. Die bei Kia obligatorische Garantie von sieben Jahren erstreckt sich auch auf die Batterie.

Wie alle Elektriker gewinnt auch der e-Soul beim Bremsen Energie zurück.
Die Intensität lässt sich über Tasten am Lenkrad, ähnlich der Schaltwippen bei Automatikgetrieben, einstellen. Links erhöht man die Rekuperationsstufen von eins bis drei – damit lässt sich der Kia e-Soul auch rein mit dem Fahrpedal beschleunigen und auch bis zum Stillstand abbremsen. Mit der rechten Wippe reduziert man die Rekuperation dann bei Bedarf wieder bis zur reinen Segelfunktion – interessant vor allem auf abschüssigen Autobahnetappen.

Unser Fazit
Im Alltag bewährt sich der 4,19 Meter lange Kia e-Soul einfach tadellos. Sogar ohne übermäßige Kasteiung sind Reichweiten von rund 400 Kilometern machbar. Für viele Autofahrer könnte dieses Auto auch den kompletten Umstieg vom Verbrenner zum E-Mobil erleichtern – eben ohne die bislang bekannten Reichweitenängste und den damit verbundenen Komfort-Einbußen der „alten“ Elektromobilität.

Daten Fakten Kia e-Soul Platin Long Range
Motor: Elektro-Synchron
Leistung: 204 PS (150 kW)
Max. Drehmoment: 395 Nm
Batteriekapazität: 64 kWh
Ladedauer 31h bis 54 min
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,9 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,6 kWh
Preis: 46.590 Euro