Schon in den Neunzigern verfolgte Nicolas Hayek das Ziel, sein damals noch Swatch-Mobil getauftes Microcar als Elektroauto auf den Markt zu bringen. Jetzt – rund 30 Jahre später – wird dieses Ziel unter der Obhut von Mercedes-Benz nun tatsächlich Wirklichkeit – leider ohne den längst verstorbenen Hayek: Smart produziert ab sofort ausschließlich Batterie-betriebene Elektrofahrzeuge – der Verbrenner hat ausgedient.

Wir hatten jetzt die Gelegenheit den Smart EQ fortwo auf Herz und Nieren zu testen. Auf den ersten Blick gibt sich der EQ gar nicht als Elektroauto zu erkennen – lediglich zwei dezente Sticker vorne und hinten und das fehlende Auspuffrohr lassen auf den Antrieb schließen. Ansonsten steht einfach ein fescher schwarz-weißer Smart fortwo vor der Tür.

„Der Smart ist das perfekte Stadtauto, das mit dem elektrischen
Antrieb noch ein bisschen perfekter wird“

Auch innen keine Überraschungen – das kleine Rundinstrument an der linken A-Säule beherbergt klarerweise keinen Drehzahlmesser, im EQ ist es für Power- und Ladezustand-Infos zuständig. Und auch sonst präsentiert sich der Smart EQ für einen Elektriker erfrischend analog bei den Anzeigen – kein Touchscreen, kein Navi, nur ein kleines Info-Display hinterm Lenkrad informiert über Ladezustand, Verbrauch und auch sonst noch allerlei interessante Fahrdaten. Sogar auf den ansonstigen üblichen Startknopf wird verzichtet – der Smart EQ wird per simplen Schlüsseldreh gestartet.

Angesichts der geringen Abmessungen geht´s platztechnisch relativ üppig zu. Die beiden Passagiere finden in alle Richtungen genug Platz – auch der Kofferraum hat sich gegenüber dem Verbrenner nicht verändert. Er ist naturgemäß klein aber für den täglichen urbanen Gebrauch absolut ausreichend. In einem praktischen Fach in der Heckklappe verbirgt sich das Ladekabel, welches in die Buchse hinter der Tankklappe gesteckt wird. Der Akku findet in der Bodenplatte seinen Platz. Auf das große Glasdach sollte man verzichten – man spart sich damit einiges an Reichweite, da dadurch die energiefressende Klimaanlage deutlich seltener zum Einsatz kommt.

Der Elektromotor generiert 160 Newtonmeter Drehmoment. Das sind gut 70 Nm mehr als beim verblichenen 71-PS-Dreizylinder und immer noch 25 Nm mehr als beim 90 PS starken Turbo. So nimmt der Smart EQ fortwo dem Sauger mit 11,8 Sekunden für den Sprint auf Hundert locker vier Sekunden ab. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit muss sich die Öko-Variante des 2,70 Meter kurzen Stadtflitzers den konventionell betriebenen Geschwistern geschlagen geben. Diese ist zu Gunsten der Reichweite auf 130 km/h begrenzt.

Fahrdynamisch bleibt auch der Smart EQ ein typischer Smart. Flottes Wuseln ist angesagt – der sensationell geringe Wendekreis (6,95 Meter) und die präzise Lenkung machen ihn zum Helden der Stadt. Der Fahrkomfort ist gut, nur auf schlechten Straßen wird gehoppelt, aber das liegt in der Natur der Sache, sprich am kurzen Radstand. Geparkt wird dort, wo man normalerweise keinen Platz findet – das Parkpiepserl erspart man sich am besten – der Smart ist super übersichtlich.

Wie bei allen Elektroautos verleitet auch der Smart anfänglich zum fröhlichen Anströmen. Vor allem beim kurzen Durchbeschleunigen fühlt man sich in der Stadt wie auf einem potenten Motorroller. Wie man aber weiß, kosten solche Späße massiv Reichweite und mit der Zeit kehrt wohltuende Ruhe in Form des brauchbaren ECO-Modus ein – dieser nimmt dem Stadtflitzer zwar ein wenig die Spritzigkeit, aber dennoch bleibt genug Power für den normal-flotten Alltag. Damit lassen sich dann auch 120 Kilometer Reichweite – die übrigens innerstädtisch völlig ausreichen – locker realisieren. Auch Rekuperieren kann der Smart EQ – er macht das völlig automatisch, nach Bedarf – das System funktioniert effizient und unauffällig.

Neben der Reichweite stellt sich bei Elektroautos auch immer die Frage nach den Ladezeiten. Nachdem in den Winzling kein wirklich riesiger Akkublock passt, gestalten sich die Ladezeiten in einem sehr angenehmen Rahmen. Serienmäßig wird der Smart EQ mit einem 4,6-Kilowatt-Onboard-Ladesystem ausgeliefert. Da müssen an einer normalen Haushaltssteckdose für eine Voll-Ladung der 17,6-kWh-Lithiumionenbatterie etwa sechs Stunden einkalkuliert werden. Deutlich flotter geht das klarerweise mit dem optionalen Schnell-Lader mit 22 Kilowatt. Mit ihm lässt sich die Batterie in rund 45 Minuten wieder auf 80 Prozent hochpushen.

Und auch dies ist immer wieder eine Frage bei Elektromobilität: Was darf das gute Umweltgewissen kosten?
Satte 26.722,85 Euro kostete unser Smart EQ fortwo Testwagen in der gut ausgestatteten „passion“-Version. Hiervon können dann noch diverse Förderungen abgezogen werden. Viel Geld für einen Zweisitzer – aber billig war der Smart ja noch nie. Und trotzdem hat er seine Käufer gefunden.

Unser Fazit.
Der Smart EQ fortwo passt in die City wie die sprichwörtliche „Faust auf´s Aug“. Mit keinem zweiten Auto ist man damit im Innenstadtgewühl besser aufgestellt. Der Elektroantrieb macht aus dem Smart ein noch besseres Auto. Wer darauf Wert legt, dem wird auch der hohe Preis nicht schrecken.

Daten Fakten Smart EQ fortwo
Motor: Drehstrom-Synchronmotor
Batterie: 17,6 kWh Lithiumionen-Akku
Leistung: 60 kW / 81 PS
Max. Drehmoment: 160 Nm
Testreichweite: 120 km