Riesig ist er, unser Volvo XC90 Testwagen. Wenn selbst 22-Zoll Walzen irgendwie gerade gut passend wirken, erst dann ist ein Auto wirklich groß. Und dennoch ist es Volvo gelungen, den XC90 weder fett noch protzig wirken zu lassen.

Mit seinen ausladenden Abmessungen hat sich der Volvo XC90 in der Welt der großen Premium-SUV im wahrsten Sinn des Wortes zur überragenden Größe entwickelt, die im Alltag allerdings natürlich auch eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich bringt. Dank seiner beeindruckenden Maße – knapp fünf Meter ist er lang und 2,14 Meter misst die Breite – mutiert der, in unserem Fall Siebensitzer zu einer überaus bemerkenswerten Erscheinung. Dazu trägt auch die Höhe von 1,8 Metern bei, was wiederum den praktischen Vorteil hat, dass man seinen XC90 auf jedem Flughafen Parkplatz relativ schnell wieder sichtet. Auf der anderen Seite werden die Lücken in den Parkhäusern natürlich schnell auch mal beängstigend eng. Volvo kontert mit einer ausgeklügelten Video-Überwachung, deren Blick von oben auf das Auto hilft dann schon sehr beim Rangieren. Gut, dass das großzügig gestaltete Gepäckabteil einen kompletten Familienurlaub problemlos packt. Einen Dachgepäckträger ohne Leiter zu erreichen, dürfte ein schwieriges Unterfangen sein.

Um so viel Masse gleichwohl würdig, wie auch wirtschaftlich bewegen zu können, bedarf es natürlich eines adäquaten Antriebs. Neben den konventionellen Verbrennern setzt Volvo auf ausgeklügelte Plug-in-Hybrid Technik und verspricht dank der Kombination von Benzin- und Elektroantrieb auch gleich einen Verbrauch von unglaublichen 3,8 Litern Benzin auf 100 Kilometer (WLTP). Im Alltagsbetrieb ist dieser Wert natürlich wenig realistisch, er wird von der Wirklichkeit deutlich überrollt. Tatsächlich zeigt die Verbrauchsanzeige meistens um die acht Liter Super bei zurückhaltender Fahrweise an, und wenn es einmal etwas schneller sein muss, erscheinen am Ende zweistellige Werte zwischen zehn und elf Litern im Display.

Dies ändert sich natürlich, wenn man mit vollem Akku in der Innenstadt unterwegs ist – dann bewegt sich der XC90 im reinen Elektro-Modus vorwärts und greift nicht auf den Zweiliter-Turbo zurück. Wer das des Öfteren zelebriert und natürlich regelmäßig seinen Volvo an der Steckdose über Nacht mit Strom versorgt, dürfte auch die oben beschriebenen 3,8 Liter schaffen. Je nach Ladeleistung vergehen zwischen drei und sieben Stunden bis die Akkus voll aufgeladen sind. Die elektrische Reichweite liegt dann im Alltag bei realistischen 30 Kilometern. Die Lithiumionen-Akkus platziert Volvo im Mitteltunnel, das Kofferraumvolumen wird nicht angeknabbert. Üppige 640 Liter Stauraum stehen zur Verfügung, wenn die dritte Sitzreihe versenkt bleibt.

Auf der Autobahn lädt der Volvo zum fast lautlosen Cruisen und Segeln ein. Dies funktioniert bis 125 km/h auch rein elektrisch – wenn natürlich nur über kurze Strecken. Danach springt der Benziner ein. Bis Tempo 140 verzichtet die wuchtige Karosserie weitgehend auf störende akustische Rückmeldungen und auch bei höheren Geschwindigkeiten ist die Geräuschkulisse gering. Hier demonstriert der Volvo XC90 seine Reisequalitäten eindrucksvoll und die Insassen genießen dabei den super-fein verarbeiteten Innenraum mit seinen edlen Materialien. Und wenn dann noch das Highend-Audiosystem von Bowers & Wilkins für Unterhaltung sorgt, wird die Reise wirklich zum First-Class-Trip. Die gelungene Fahrwerksabstimmung trägt ebenfalls zum angenehmen Fahrkomfort bei. Den Volvo XC90 bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Erst wenn es so richtig kurvig wird, gerät der hohe Volvo klarerweise an die Grenzen der Physik, kritisch wird es aber nie.

Für den Primärantrieb setzt Volvo wie gewohnt einen Zwei-Liter-Vierzylinder ein, dieser wird sowohl von einem Kompressor als auch von einem Turbolader beflügelt. Als Unterstützung tritt dann noch der 85 PS starke Elektromotor auf. So generiert Volvo eine Systemleistung von 390 PS, welche den 2,3 Tonnen schweren XC90 zu höchst sportlichem Antritt verhilft. Auf Hundert benötigt das SUV lockere 5,8 Sekunden und wer es eilig hat, darf sich mit Tempo 230 km/h durch Deutschland beamen. Passend zum souveränen Auftritt gibt sich die Achtgang-Automatik unaufgeregt und präzise und sorgt für nahezu stufenlose Beschleunigung.

Der XC90 wird, wie bei Volvo üblich, natürlich mit einem umfangreichen Sicherheitspaket ausgeliefert. Dazu gehören unter anderem das Assistenzsystem Run-off Road Protection, welches Schutz beim Abkommen von der Fahrbahn bieten soll. Damit es gar nicht erst so weit kommt, warnt das Road Edge Detection System den Fahrer allerdings bereits vorher, wenn er Gefahr läuft, die Fahrbahn zu verlassen. Außerdem sind ein aktiver Spurhalte-Assistent an Bord, sowie Notbremssysteme für fast alle erdenklichen Situationen. Volvos ehrgeiziges Ziel, ab 2020 keinen Toten mehr bei einem Unfall in einem Volvo zu beklagen, dürfte zumindest im Falle des XC90 Realität werden.

Beim Kauf des Volvo XC90 T8 Twin Engine AWD R-Design wechseln mindestens 85.260 Euro den Besitzer. Wer noch ein paar Kreuzerl in der Extraliste macht, gerät schnell mal in den sechsstelligen Bereich – unser Testwagen schlug sich mit pompösen 102.000 Euro zu Buche.

Daten Volvo XC90 T8 Twin Engine R-Design 7-Sitzer
Motor: 1996 ccm, Turbo, Kompressor
Leistung: 303 PS
Max. Drehmoment: 400 Nm ab 2200 U/min
Elektro-Motor: 87 PS
Systemleistung: 390 PS
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
0 auf 100 km/h: 5,8 Sek.
Elektr. Reichweite: 30 km
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 3,8 Liter
Basispreis: 85.260 Euro